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CSD 2007

CSD 2007 Nachlese eines Dauergastes

Am 02.06.2007 um 12:00 Uhr war es wieder so weit. Der CSD in Kiel startete unter dem Motto „gleich + gleich = ungleich?“ mit dem Umzug vom Blücher-Platz Richtung Asmus-Bremer-Platz in der Innenstadt. Wer dabei war wird den Verlauf erinnern, für alle die keine Zeit hatten, oder später dazu gestoßen sind, hier noch einmal der Verlauf des Zuges im Einzelnen. Startpunkt, wie schon erwähnt ist bereits seit einigen Jahren der Blücherplatz. Hier begann der Zug gegen 12:00, nachdem sich die Teilnehmenden schon seit einer Stunde gesammelt und

 zur Demo aufgestellt hatten. Dabei waren je ein großer Wagen vom Birdcage und vom Gaylirium, sowie zwei geschmückte PKW aus der Gruppe „Reife Früchte“. Dazu jede Menge Fußvolk, FahradfahrerInnen und nicht zuletzt eine Rollstuhlfahrerin sowie eine Rollerfahrerin (der Roller zum treten – nicht stinkend) und solche mit Motorrad.

Von hier aus führte der Zug zunächst das Stückchen Esmarchstraße hinauf zur Holtenauer Straße, um dann nach links, dem Dreiecksplatz entgegen abzubiegen. Dort bewegte sich der Zug dann die Bergstraße

hinab, über den kleinem Kiel hinweg, bevor er sich über Holstenbrücke, Berliner Platz, Andreas-Gayk-Straße  und Sophienblatt zur Ringstraße schlängelte. Diese hinauf zum Königsweg, weiter zum Exerzierplatz, danach die Rathausstraße hinunter und ab Holstenbrücke nur noch für die FußgängerInnen und Indvidualbereiften weiter in die Holstenstraße, bevor er am Asmus-Bremer-Platz sein Ziel fand. Empfangen wurden wir dort von der Sambashowband „boombao“

Dort nahm die weitere Veranstaltung unter der schwungvollen Moderation von Markus Pingel ihren Lauf mit Reden von Parteivertretern der SPD, der CDU sowie der FDP – letzterer übrigens mit dem Versprechen, dass im nächsten Jahr die Regenbogenfahne vor dem Rathhaus wehen wird, wenn der CSD stattfindet.

Warum eigentlich nur zum CSD? Ich denke die Stadt könnte auch gern zu anderen Anlässen ihre Solidarität mit ihren Steuerzahlern, eben uns demonstrieren, indem sie „Flagge zeigt“. Oder erwarte ich da zuviel?

Der CSD-Verein beendete den Reigen der Redner unter anderem damit, dass für mehr Engagement geworben wurde, da sonst ein Fortbestehen des CSD im Norden bedroht sei. In Segeberg zum Beispiel gibt es aus Mangel an Beteiligung dieses Jahr schon keinen CSD mehr. Das anschließende Showprogramm mit Caró, Francy B., Daphne de Baakel und Sebastian Schnoy bot Kurzweil und Stimmung für alle Anwesenden.

Informationsstände von Partein, Aids-Hilfe und HAKI, die Bühne sowie ein Getränkewagen bildeten den räumlichen Rahmen der Veranstaltung.

Alles in Allem eine runde Sache, auch wenn ich mir ein wenig mehr Interesse der Anwesenden an dem politischen Teil gewünscht hätte, denn gerade dies ist doch das Anliegen des CSD’s, oder? Aber es ist natürlich auch schön, die ganze Comunity mal am Stück zu sehen, Bekannte zu treffen und zu schwätzen. Ohne Frage auch eine lohnende Motivation zum CSD zu kommen.

Der Tag endete mit der CSD-Party in der Pumpe. Mit einem Show-Programm und „Tanz auf allen Sälen“, bis in die Puppen. Ins gesamt mit guter Stimmung und viel Partylaune.

Der Brunch am nächsten Vormittag in Villa Fernsicht verlief ebenfalls nett und bot Gelegenheit, noch ein mal den vorigen Tag Revue passieren zu lassen und über die eine, oder andere Begebenheit des Vortages zu reflektieren. 

Diese Information habe ich jedoch nur vom Hörensagen, da ich selbst nicht dabei sein konnte.

Zum Ende sei mir, als regelmäßigem, aber eher passivem Gast bei den reifen Früchten noch eine Anmerkung zum Umzug erlaubt.

Das Thema wurde mir und auch einigen Früchten im Zug zu wenig transparent genauer, es fehlte fast ganz. Die Wagen ließen bis auf die beiden PKW der Gruppe das Thema komplett vermissen und auch das Fußvolk war nur mäßig mit Transparenten und Schildern ausgerüstet.

Unsere Forderungen nach Gleichstellung und Gleichbehandlung verlor sich komplett hinter der Karnevals – mäßigen Kulisse des Umzugs und die Schaulustigen am Straßenrand konnten nur das bunte Treiben sehen, ohne die politische Botschaft zu erfahren, die hinter dieser Veranstaltung steht.

Entsprechend wurde auch mit Unverständnis reagiert, weil uns die Leute so nicht verstehen (was soll das denn / die haben doch alles / die tanzen hier rum, denen geht es doch gut / die halten doch nur den Verkehr auf / die haben doch alles....... nur wenige Zitate).

Die „Otto-NormalverbraucherInnen“ haben einfach nicht die notwendigen Hintergrundinformationen, die nötig sind, die Demo überhaupt zu begreifen (auf das Thema Verpartnerung angesprochen, ernte ich immer wieder ungläubige Blicke, wenn ich in Heterokreisen erzähle, dass dies keineswegs ein gleichberechtigtes Konstrukt neben der Ehe ist). Dies sollte sich nach meinem Ermessen im nächsten Jahr deutlich ändern und es sollte klar werden, dass wir nicht eine ausgeflippte Horde sind, die sich mal just for Fun durch die Stadt tummelt, sondern dass wir eine Botschaft haben und die Unterstützung unserer Mitmenschen fordern, die eben genau nur dann ihre Gleichgültigkeit ablegen und Partei ergreifen können, wenn sie uns vorher verstanden haben. Es reicht schließlich auch nicht sich in einem Restaurant an einen Tisch zu setzen. Um ein Mal nach Wunsch zu bekommen, muss man kommunizieren und etwas bestellen. Auf so eine Idee würde auch keine, keiner von uns kommen. Nur so können wir Akzeptanz und auch Rückendeckung unserer Umgebung erwarten und bekommen.

Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang, dass dies keine Kritik am CSD-Ausschuss ist. Die bieten nur den Rahmen und das machen sie sehr gut!

Gefragt sind hier Erna-Normallesbe und Otto-Normalschwuler, die ja schon mal anfangen können darüber nachzudenken, wie sie im nächsten Jahr ihre ganz persönliche Forderung deutlich machen können – Plakate, Schilder, Banner und Fahnen selbst bemalt sind günstig zu basteln und kein Millionenunterfangen somit für jede und jeden erschwinglich, die, der sich, über das übliche Tamtam hinaus ein wenig einbringen möchte.

Aber bitte, sorry, keine „ich wünsch mir ein rosa Kabrio-Schilder“, ok?

Ich habe für mich schon eine Idee dazu im Kopf und freue mich darauf Euch alle im nächsten Jahr bei einer noch bunteren, gewaltig politischen CSD-Parade wieder zu sehen.

Liebe Grüße

Euer Jörg

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